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Heute habe ich eine Frau zu Gast, die ich in meinem Alltag manchmal gerne an meiner Seite hätte: Alexandra Graßler. Alexandra ist Business Coach und hilft Unternehmerinnen, Ordnung und Struktur in ihr Chaos und Ruhe in ihre Überforderung zu bringen. YES! So was könnte ich oft genug brauchen. Tatsächlich habe ich Alexandra über ihren Beruf kennen gelernt: Über ihre Fasten-Challenge, an der ich letztes Jahr teilgenommen habe – und auch dieses Jahr bin ich wieder dabei. Dabei geht es darum, das Leben zu entrümpeln. Frei nach dem Motto: Schaff den Krempel aus dem Haus! Und davon gibt es vor allem in meinem Büro wirklich reichlich! Und dann ist die Aktion auch noch mit ein bisschen Charity verbunden: 20 Prozent der Teilnehmergebühren gehen als Mikrokredite an Frauen in ärmeren Ländern. Super. Ich bin dabei. Vielleicht sehen wir uns ja dort?

Die Frau gegen das Chaos: Alexandra Graßler im Montagsinterview auf Texterella.

Alexandra Graßler, 45.

Daneben ist Alexandra ein echtes Urgestein des Internets. „Ich bin seit 1993 online. Bereits 1995 habe ich in Zusammenarbeit mit der Telekom und Siemens einen der ersten Telelearning-Lehrgänge entwickelt.“ Selber Neues zu lernen und Wissen weiter zu geben war immer schon ein wesentlicher Teil ihres Lebens. Bereits als junge Frau hat sie sich deshalb mit ihrer WissensAgentur selbstständig gemacht: „Mir war immer klar, dass ich mich nicht als Angestellte eigne und bin mit 24 in die Selbstständigkeit gesprungen.“  Als Referentin hat Alexandra inzwischen hunderte von Vorträgen gehalten und im Laufe vieler Jahre über tausend SchülerInnen, WorkshopteilnehmerInnen und Coaching-Klienten begleitet. „Ich weiß, das hört sich ein bisschen pathetisch an, aber ich möchte, dass jeder Mensch nach einer Begegnung mit mir ein bisschen ‘reicher’ ist – an Wissen, an Zuversicht, an Lachen und Glück.“ Ich finde, das klingt nach einem wunderbaren Berufsziel!

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Mein Vater war Schneider. Er hat seine Schneiderwerkstatt nach dem Krieg in den 50er Jahren aufgemacht. Als ich auf die Welt kam, war das zwar schon lang Geschichte, doch in unserem Haus stand in einer Werkstatt unterm Dach lange seine Nähmaschine und der große Schneidertisch (der jetzt in meinem Büro steht!). Ich denke, ich bin, was Mode betrifft, durch ihn sehr klassisch geprägt. Mein Vater nähte Herrenanzüge und Damenkostüme und war immer für klare Linien ohne Schnickschnack. Das hab ich wohl weitgehend übernommen.

„Modischer Kram“ – um das mal so zu nennen – war nie mein Ding. Für mich war und ist es wichtig, dass der Schnitt sitzt und mir steht. Ich kann mit Rüschen, Schleifen, quickbunten Sachen und übertriebenen Muster überhaupt nichts anfangen. Fast meine komplette Garderobe ist einfarbig. Das hat sich in den ganzen Jahren wenig verändert.

Was ist für dich Stil? Was ist dein Stil? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert?

Stil lässt sich für mich am besten durch das Zitat von Coco Chanel beschreiben: „Mode ist vergänglich, Stil niemals.“

Ich sehe die Kleidung, die wir tragen, als eine Art zweiter Haut, mit der wir uns eine Persönlichkeit erschaffen. Schon als Kind haben mich diese alten Modemagazine fasziniert, in denen zum Beispiel solche Aussagen standen wie: „Eine Dame von Welt geht niemals ohne Hut und Handschuhe aus dem Haus.“ Das fand ich spannend und hat mir früh gezeigt, was Kleidung möglich macht.

Wenn ich jemanden auf der Straße sehe, der mir vollkommen stimmig in seiner Kleidung erscheint, dann ist das für mich Stil. Es bedeutet zu wissen, wer man ist. Es bedeutet zu wissen, was man vermitteln möchte. Es bedeutet, gut auf sich zu achten und sich zu mögen.


Die Frau gegen das Chaos: Alexandra Graßler im Montagsinterview auf Texterella.

2013.


Mein Stil wird durch sehr klare Linien geprägt. Ich mag Schwarz in Kombination mit weiß und grau, aber auch satte Violett- und Rottöne. Sehr gerne figurbetont, auch mit Ausschnitt – aber eben wenig Schnickschnack.

Außerdem liebe ich Highheels und habe leider viel zu selten Gelegenheit, sie zu tragen. Enge Jeans sind ein Muss und gute Stoffe spielen ebenfalls eine große Rolle. Mein Businesslook unterscheidet sich nur wenig von meinem Ausgehlook – warum sollte ich meine Weiblichkeit verstecken? Ich bin eine Frau, und das sehr gerne. Da mir im Job oft „männliches Verhalten“ zugeschrieben wird, finde ich das eine gute Kombination. ;)

Wie sich mein Geschmack über die Jahre verändert hat? Eher wenig, würde ich sagen. Als Teenager habe ich Trends natürlich mitgemacht. Ich bin ein Kind der Achtziger. Schulterpolster – hallo! Ich habe mehr experimentiert, bin jedoch immer wieder auf meine klassischen Sachen zurückgekommen. Schlaghosen sind bei meiner Größe von 1,62 Meter nicht der Hit und auch wuchtige Sakkos schrumpfen mich direkt ein. Von daher gab es auch Jahre, in denen ich fast nichts gekauft habe, weil die aktuelle Mode einfach überhaupt nicht mein Ding war.

Später haben manche Lebensphasen dazu geführt, dass ich auf Kleidung weniger Wert gelegt und weniger darauf geachtet habe. In der Rückschau finde ich es sehr interessant, dass ich „Farbphasen“ hatte. So habe ich nach dem Tod meines Vaters und einem schwarzen Trauerjahr jahrelang fast nur braun getragen. Als ob ich mich ständig erden müsste, um irgendwie Kraft zu finden. Farben kamen erst wieder dazu, als es mir besser ging.

Die Frau gegen das Chaos: Alexandra Graßler im Montagsinterview auf Texterella.

2001.


Viel Jeans gab es in jedem Jahrzehnt. In meinen Zwanzigern habe ich allerdings noch mehr Röcke getragen. Weiß gar nicht, warum ich damit aufgehört habe! Auch liebe ich Kleider. Die kommen dieses Jahr definitiv wieder mehr in den Schrank. Und am liebsten sogar selbst genäht. Habe ja schließlich viel von meinem Papa gelernt.

Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

Eher Schuhe als Kleidung. Die trage ich dann solange, bis sie auseinander fallen. Ich liebe Stiefel mit hohem Absatz und die meisten kriegen irgendwann eine Ersatzsohle, weil ich sonst direkt auf dem Asphalt gehen würde. Aber leider muss man sich irgendwann ja doch von jedem Schätzchen verabschieden.

Was ich bei Kleidung oft mache: Ich kaufe sie doppelt und dreifach in verschiedenen Farben, wenn mir eine Hose oder ein Oberteil besonders gut passen und ich den Schnitt super finde. Das hat sich sehr bewährt. Mal davon abgesehen bin ich überhaupt keine Shoppingqueen und habe keine rechte Freude daran, durch viele Läden zu ziehen. In den letzten Jahren bleibe ich oft bei ZARA, MANGO und ähnlichen Marken hängen und gehe dann auch gezielt nur in diese Geschäfte.

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Meine Einstellung ist tatsächlich ziemlich stabil. Klassischer Typ eben. So habe ich mir vor ein paar Tagen eine neue Brille gekauft und auch wenn es modische und wirklich tolle Brillen gibt, fühle ich mich mit einer, die zu meinem klassischen Stil passt, am wohlsten. Hier nicht wankelmütig zu sein und genau zu wissen, was richtig für mich ist, gibt mir immer ein gutes Gefühl. Das finde ich sehr wertvoll.

Grundsätzlich trage ich, was mir gefällt – das war vor 20 Jahren so und ist heute nicht anders. Wenn ich mich in einem Kleidungsstück wohlfühle, ziehe ich es an, ganz unabhängig vom Älterwerden.

Die Frau gegen das Chaos: Alexandra Graßler im Montagsinterview auf Texterella.

1998.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Seife verwende ich liebend gern zum Duschen. Allerdings nur handgeschöpfte Seife mit besten Zutaten. Für die Gesichtspflege verwende ich Produkte aus der Apotheke.

Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Da wären zum einen das Waschgel und die Hydraphase intense Creme von Roche Posay. Ich schätze an diesen Produkten, dass sie ohne Erdöle hergestellt werden und dass ich sie sehr gut vertrage. Zum anderen muss natürlich sofort Mascara her, die ist für mich das wichtigste Schminkutensil.

Würdest du dich für die Schönheit unters Messer legen? Oder Botox, Filler etc. nutzen?

Auf gar keinen Fall. Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum sich jemand das antut – nur wegen des ganz normalen Alterungsprozesses. Vor allem, wenn ich dann gleichzeitig sehe, was für Müll viele essen und wie wenig sie sich bewegen.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Ich liebe es stundenlang in der Wanne zu liegen – und zwar ausschließlich in Basenbädern. Das ist die einfachste und effektivste Möglichkeit über die Haut zu entgiften und es entspannt ungemein. Ansonsten wasche ich mich jeden Morgen mit eiskaltem Wasser. Kostet Überwindung, doch die Erfrischung ist immer wieder wunderbar.

Ich persönlich bin außerdem fest davon überzeugt, dass Ernährung ein Schlüssel nicht nur für Gesundheit, sondern auch für Schönheit ist – und das ist etwas, das man jeden Tag selbst bestimmen kann. Plus: Stress schnell abbauen, viel draußen bewegen und lachen. Das wäre mein „Rezept“.

Was ist für dich die größte Herausforderung am Älterwerden? Und was die schönste Überraschung?

Natürlich hätte ich auch gern weniger Falten und einen richtig knackigen Körper. Doch letztlich spielt das doch keine bedeutende Rolle. Für mich am wichtigsten ist, dass ich mein Leben tatsächlich lebe. Meinen Job so gestalte, dass ich Zeit für mich habe, und Dinge mit Freude tun kann. Je älter ich werde, umso weniger muss ich mich erklären, das ist sehr wohltuend. Mein Alter gibt mir in gewisser Weise per se die Legitimation, dass es vollkommen okay ist, wie ich lebe. Denn ich mach’s ja schon eine Weile. ;)

Die Frau gegen das Chaos: Alexandra Graßler im Montagsinterview auf Texterella.

1988.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Jede Lebensphase hatte ihre Herausforderungen, für die ich auch meist spezielle „Glaubenssätze“ hatte, die mir durch alle Schatten halfen.

Ein Satz, der mich schon sehr lange begleitet: Alles wird sich fügen.

Damit werde ich immer sofort ruhiger. Auch wenn ich noch nicht gleich sehen kann, wie eine Situation sich zum Besseren wandelt, so habe ich im Laufe meines Lebens gelernt, dass jede Wolke einen silbrigen Rand hat und ich mit allem zurechtkommen werde. Manchmal mag es ganze Weile dauern, manchmal erlebe ich Rückschläge, doch letztlich wird sich alles fügen.

Danke fürs Dabei sein, liebe Alexandra! Ich freue mich auf die Fasten-Challenge! :-)

***

Hier gibt es noch mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen über 40, 50, 60 und über 70.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 06. Februar 2017, 06:00 Uhr
Kommentare: 5 | Aufrufe: 2749 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: schönheitmontagsinterviewmodeinterviewfrauen ab 40anti-agingälterwerdenalexandra graßler
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Kommentare

  • Oh, was für ein schöner Artikel, einmal nicht den Inhalt der Wissensagentur lesen, sondern die Frau die dahinter steht mit den Augen der Bekleidungskunst und dem Umgang mit ihrem Körper zu sehen!. Das ist mir eine große Freude!
    Eines meiner Lieblings-Bücher, das ich seit Jahrzehnten immer wieder lese, ist „the Language of clothes” von der begnadeten Alison Lurie die sagt, unsere Bekleidung ist eine Aussage, immer, eine Semantik, in der wir nicht wählen können uns nicht auszudrücken. Und in diesem Sinn freue ich mich immer, wenn verschiedene Aussagen eines Menschen erfreulich konsistent sind.
    Genieße die High Heels öfter!

    Lieben Gruß von der Küste mit 8 cm Heels heute
    Dorothee

    Dorothee Struck
    am Donnerstag, 23. März 2017 um 14:58 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Liebe Dorothee,

      wow, vielen, lieben Dank für deine Zeilen! Hab mich total drüber gefreut und ich find’s ja toll, dass wir das gleiche Buch bei diesem Thema lieben!

      DANKE!
      Liebe Grüße aus dem bayerischen ;)
      Alexandra

      Alexandra Graßler
      am Donnerstag, 23. März 2017 um 17:36 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Oh, wie toll! Alexandra - ich finde mich sehr in Deinen Antworten wieder!
    Ich trage meine Schuhe (Stiefel mit hohen Absätze… ;)) auch immer bis sie auseinanderfallen und frage mich, warum ich nicht mehr Röcke trage!
    Und obwohl ich mein halbes Leben in der Modewelt gearbeitet habe, hab ich mit Mode irgendwie nix am Hut.

    Und klasse, die alten 80er und 90er Fotos!! Da werde ich gleich mal noch weiterstöbern, und schauen, wer sich hier noch so alles getraut hat, die zu posten ;)

    Toll, dass ich durch Dich über diesen Blog gestolpert bin - (Gratuliere, Susanne! :)) - das macht Lust auf mehr!

    Anja

    Anja | Follow Your Joy
    am Montag, 06. Februar 2017 um 13:15 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Hi Anja,
      danke für dein nettes Feedback! Das mit den Fotos war echt nicht so einfach ;) Und schön zu lesen, dass es noch jemanden gibt, der wie ich seine Lieblingsschuhe trägt, bis sie auseinanderfallen.
      Alexandra

      Alexandra Graßler
      am Dienstag, 07. Februar 2017 um 21:35 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

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