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Es ist Donnerstagabend. Ich sitze am Fenster und blicke auf Berlin. Die Lichter auf der Straße wirbeln durcheinander, genauso wie die Bilder in meinem Kopf, Bilder von vier Tagen Berlin Fashionweek. Die letzte Show – die von Marina Hoermanseder – liegt nur wenige Stunden zurück, und doch fühlt sich alles bereits ein wenig unwirklich an.

Bin ich wirklich hier – in Berlin? Und habe in den letzten Tagen die Shows und Präsentationen von Strenesse, Bogner, Ewa Herzog, Dawid Tomaszewski und anderen großen Modelabels mehr gesehen? Oder träume ich alles nur und werde gleich aufwachen, auf meiner Couch vor dem Kamin in meinem kleinen Kirchdorf und mich in meinem Alltag wieder finden, zwischen Kindern, Katzen und Spülmaschine einräumen. „Mama, was gibt’s zum Abendessen? Und kannst du mich nachher Latein abfragen?“


Man mag über die Fashionweek denken, was man will, man kann sie lieben oder hassen, wunderbar oder auch überflüssig und selbstverliebt finden – eines ist sie garantiert nicht: Sie ist nicht alltäglich. Sie ist ein Paralleluniversum, in dem Glitzer und Glamour den Ton angeben und wo der am wichtigsten ist, der in einem schwarzen Shuttle von einer Show zur nächsten gefahren wird, die meisten Fotografen um sich schart und die neueste Chanel-Tasche trägt, bevor sie offiziell zu kaufen ist. Und der die meisten Follower auf Instagram hat, natürlich. Ja, die Fashionweek ist tatsächlich ein Gegenentwurf zum normalen Leben und zur realen Welt. Sie ist wie ein kurzes Vergessen der alltäglichen Dinge – und genau dafür liebe ich sie, irreal und schön.

Vier Tage in ein ganz anderes Leben eintauchen, unterwegs sein von Show zu Show, abends die Füße mit Eis kühlen, weil sie trotz Winter von den ungewohnt hohen Schuhen warm gelaufen sind. Dazwischen Champagner, Häppchen und Rampenlicht, Models, Schauspieler und digitale Prominenz. Bussibussi, „Wie schön dich zu sehen!“ und „Ich liebe deine Schuhe!“ – ja, ich glaube, dieses Leben kann auch ein wenig süchtig machen. Es ist schön, wenn man das Alter und die Reife hat, um den oberflächlichen Schein dieser Welt zu erkennen und ihm nicht zu erliegen.

Ja, ich habe den Glamour in den letzten vier Tagen richtig genossen. Ich habe vier Tage lange tiefroten Lippenstift getragen, mich aufgebretzelt und jeden Moment geliebt. Ich habe Champagner getrunken und in Kameras gelacht ...


... und doch freue ich mich jetzt auf Zuhause. Jeden Tag Glitzerschuhe zu tragen kann auch fad werden, und überhaupt: Was wäre ein Leben ohne Kinder, Couch und meine Katzen. Und ohne den Mann, der mir morgens immer den Kaffee macht. Ohne die Kirchenglocken, die mich morgens wecken, die Eichhörnchen, die über die Äste flitzen – und vor allem ohne das Gefühl, auch ohne roten Lippenstift und Glamour-Look in der Front Row zu sitzen.

***

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Susanne Ackstaller, Freitag, 19. Januar 2018, 06:00 Uhr
Kommentare: 9 | Aufrufe: 1937 | Kategorie: Mode, Lifestyle, Leben, | Tags: texterella liebt modemodefashionweekdie neue freiheitberlin fashionweek
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Kommentare

  • Schöne Fotos hast Du gemacht! Ich bin meist nur im Sommer zur Fashion Week in Berlin, weil’s mir im Winter einfach too much ist. Berlin ist halt doch näher an Sibirien… Dann geht es mir so wie Dir, dass ich es liebe, mal für ein paar Tage in diese Glitzerwelt der Metropole einzutauchen und zuhause im Garten (in aller Ruhe) dann meinen Beitrag dazu tippen darf.

    Viele Grüße nach Bayern
    Bärbel

    Farbenfreundin
    am Sonntag, 21. Januar 2018 um 13:22 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Chanel Taschen online kaufen? Ich weiss, es ist nur ein Beispiel - aber Salz in die Wunden! Wenn Du wüsstest, wie lange die Taschenfans darauf schon warten ;-)

    Bärbel
    am Samstag, 20. Januar 2018 um 20:01 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Hallo Bärbel,

      hm, deinen Kommentar verstehe ich jetzt nicht ganz? Ich hatte „offiziell” zu kaufen geschrieben? Ein Verleser? :-)

      Das das für echte Chanel-Fans so oder so Salz in die Wunden ist, glaube ich sofort. ;-) Bin ja Gott sei dank Vintage-Fan, von daher muss ich nie das neueste Modell haben. :-D Puh, Glück gehabt ... ;-)))))

      Susi
      am Samstag, 20. Januar 2018 um 20:11 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Das ist sicher ein wunderbares Erlebnis, einmal die Glamourwelt erleben zu dürfen, etwas hinter die Kulissen zu schauen und aus dem Alltag auszubrechen. Dabei die Stimmung aufzunehmen, den Umgangston und den allgemeinen Ablauf zu sehen, aber auch die Nachteile dieser Glitzerwelt zu erkennen und nicht nur auf den Schein zu achten, finde ich super.
    Manchmal ist es gut, kurz in eine andere Welt eintauchen zu dürfen, dadurch schätzt man oftmals sein eigenes Leben, seine Umgebung und auch die damit verbundenen lästigen Angelegenheit wieder bedeutend mehr.
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
    Alles, alles Liebe

    Wonderful Fifty
    am Samstag, 20. Januar 2018 um 09:31 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Genauso, liebe WonderfulFifty, empfinde ich das auch! Was habe ich mich heute gefreut, im Schlafanzug zu frühstücken und dann ungeschminkt einkaufen zu gehen ... :D

      Susi
      am Samstag, 20. Januar 2018 um 20:14 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Oh, wie ich dich beneide. So ab und zu in eine andere Welt eintauchen, ja das macht Spaß. Ich liebe Mode. Sie ist für mich sowohl Kunst als auch Zeitgeist. Leider sind die Teile, die ich wirklich toll finde fast immer zu teuer für meinen Geldbeutel. Aber anschauen macht ja auch Freude.

    Karin Austmeyer
    am Freitag, 19. Januar 2018 um 13:08 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Für mich ist das auch alles zu teuer ... Aber wie du schon sagst: Anschauen ist ja auch schön! Ganz davon abgesehen ist auch sehr vieles sehr untragbar. :D

      Susi
      am Samstag, 20. Januar 2018 um 20:17 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Wie toll, wenn man mal in eine „andere“ Welt reinschnuppern kann. Die Zufriedenheit über das normale Leben zu Hause wird einem dadurch wirklich wieder bewusst. Ich glaube manch einer aus der „Glitzerwelt“ würde abends auch mal gerne Vokabeln abhören.
    Herzliche Grüße!

    Karin
    am Freitag, 19. Januar 2018 um 10:05 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Das kann ich mir sehr gut vorstellen, liebe Karin - ich glaube auch, dass das Dauerglitzern, wie es ja manche Influencer zu ihrem Lebensinhalt erkoren haben, ganz schön anstrengend sein kann. Rampensau ist ja ganz schön und nett ... aber immerzu? Nö.

      Susi
      am Samstag, 20. Januar 2018 um 20:20 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

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