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Snezana. Dieser Name hat mich von meiner ersten Begegnung mit Snez - 2004 oder 2005 - an fasziniert. Kein Wunder, ist Snezana doch serbisch für Schneewittchen ... Dabei war Snezana Galijas’ Leben wahrlich nicht immer märchenhaft. Als Kind bosnischer Eltern, als „Gastarbeiterkind“ schon als Baby nach Deutschland verpflanzt, hatte Snez lange das Gefühl, nicht sie selbst sein zu dürfen. Auch deshalb ist es ihr heute besonders wichtig, dass Frauen ihre Stärken und ihre Weiblichkeit finden und diese selbstbewusst zeigen, dass Frauen authentisch sind und zu sich selbst stehen! Genauso wie sie selbst: ehrlich, stark, konsequent. Und mit einem ganz großen Herzen.

„Manche Dinge brauchen Zeit und Alter“, hat sie mir mit einem Lächeln in ihren Lebenslauf geschrieben. Wohl wahr: Mit Ende 30 hat sie ihren Beruf als Koordinator für die internationale Entwicklung bei einem europäischen Transportunternehmen an den Nagel gehängt und ist – als Tochter Nummer drei gerade in die KiTa kam - noch mal neu durchgestartet. Heute, mit 46, arbeitet Snez als Werbetexterin und Positionierungscoach.

Ich freue mich, dass sie sich die Zeit für meine Fragen genommen hat!

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert? Welche Stilrichtung bevorzugst du?

Ich bin früher nie nach der Mode gegangen. Ich hatte keine Ahnung von Marken und habe immer erstaunt zugehört, wenn sich Freundinnen über Labels austauschten. Und das ist eigentlich bis heute so geblieben.

Mit 16/17 trug ich eine knalllila Latzhose, total bequem und „cool“. Ich glaube, ich war die Einzige in der Stadt, die damals (in den 80ern) diese Farbe trug. Dann gab es eine Zeit, wo alles lang und lässig sein musste - wie ein langer, dunkelblauer Feinstrickpullover meines Bruders (als oberste Zwiebelschicht), den ich für lange Zeit mein Eigen nannte. Ich glaube, ich wollte damals in erster Linie cool aussehen und provozieren, sah dabei rückblickend betrachtet aber weder wie Fisch noch Fleisch aus.

Mit Mitte 20 habe ich mir dann ein wirklich tolles, figurbetontes rostbraunes Kostüm gekauft. Es war ein Traum, perfekt geschnitten, passte wie angegossen. Ich fühlte mich wie eine Hollywood-Diva. Bis dahin hatte ich nie etwas von dem Designer Thierry Mugler gehört, aber es war und ist mit damals 1.400 DM mein teuerstes Kleidungsstück ever. Und dann war da noch der dunkelblaue Herrenanzug, den ich mir Anfang 20 kaufte. Ich trug ihn zusammen mit einem weißen Hemd und Krawatte - allerding nur ein einziges Mal. :-) Ansonsten blieb ich oft bei Klamotten von comma oder mexx hängen, weil Qualität, Passform und Stil passten.


Very Achtziger: Snez mit Mitte 20 ...

Heute trage ich ohne Rücksicht auf Modetrends sehr gerne figurbetonte Kleider in bunten Farben und interessanten Formen, aber auch das klassische Schwarze ist in meinem Schrank in zahlreichen Variationen vertreten.  Außergewöhnliche, raffinierte Schnitte und Muster finde ich toll. Desigual gefällt mir zum Bespiel sehr gut. Früher trug ich sehr gerne Brauntöne - diese kommen seit einem Farb- und Stil-Coaching nur noch an die untere Körperhälfte.

Einen einheitlichen Stil habe ich für mich nie gefunden, weil es so viele schöne Kleidungsstücke gibt. :-) Und: Das Tolle an der Mode ist doch, dass insbesondere wir Frauen unsere verschiedenen Gesichter und Stimmungen täglich anders unterstreichen können. Ich fühle mich jeden Tag anders, will manchmal gezielt so oder anders wahrgenommen werden oder eine bestimmte Wirkung erzielen. Dafür kann ich Kleidung und Farbe wunderbar einsetzen. Ich empfehle übrigens jeder Frau eine Farbberatung! Hast du mal verschiedene Farben bei geschlossenen Augen nur wahrgenommen? Du fühlst dich mal schwach und klein, mal kräftig. Mal gibt die Farbe Energie, mal saugt sich dich aus. Total spannend! 

Hast du ein Lieblingskleidungsstück? Wenn ja, welches? Und warum?

Interessanterweise habe ich eher Lieblings-Schnäppchen!

Sehr gerne und lange trug ich allerdings das besagte Thierry-Mugler-Kostüm, aus dem ich aber leider „herausgewachsen“ bin. Und dann war da noch das schwarze Leder-Leinen-Kostüm mit silberfarbenen Schnallen (wie diese Schulranzenverschlüsse), das ich mir während meines Studiums in Australien kaufte. Das sah total cool und außergewöhnlich aus! Dafür verschlang es fast den kompletten Verdienst meines Semesterferienjobs ...


„La diva” im Mugler-Kostüm

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert?

Die größte Veränderung: Ich traue mich auch mit Brille aus dem Haus statt früher nur mit Kontaktlinsen. Und auch oft ungeschminkt bzw. weniger perfekt gestylt. Außerdem habe ich seit Anfang des Jahres ganz kurze Haare. Das hätte ich mich früher nicht getraut.

Ich habe erkannt, dass Weiblichkeit sich auf vielfältige Weise ausdrücken kann. Schönheit kommt und strahlt von innen heraus, egal was du trägst. Das fiel mir zuletzt besonders bei der Tochter einer Freundin auf, die zum Abschlussball ein wirklich tolles, lila farbenes Abendkleid trug, aber dafür einfach noch nicht die Ausstrahlung hat. In zwanzig Jahren wird das Mädel darin aber hammermässig aussehen.

Aussehen ist mir nach wie vor sehr wichtig, insbesondere meine Figur. Hier steht vor allem die Gesundheit im Vordergrund, denn ab Ende 40 muss man einfach ein bisschen achtsamer mit Essen umgehen und mehr tun als mit Mitte 20. „Wehret den Anfängen“, wie eine Kundin, die bald 50 wird, sagte. Deshalb trainiere ich jetzt fleißig in einem Fitnessstudio, was ich noch vor kurzem kategorisch abgelehnt hätte. Mit den (bisher) 4,5 Kilogramm weniger Speck und dafür mehr Muskeln fühle ich mich deutlich besser. Aber es war echt harte Arbeit!

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte? Hast du eine Lieblingsmarke?

Je natürlicher und weniger desto besser. Eine ganze Zeitlang rührte ich meine Gesichtscreme täglich selber an. Ich mischte reines Aloe-Vera-Gel mit einem oder zwei Tropfen ätherischem Öl. Zwischenzeitlich nutzte ich auch die Rosencreme von Dr. Hauschka, die Öle von Primavera, Haarfärbemittel von Logona oder Kosmetik von Alverde. Derzeit teste ich Shea-Butter sowie als Shampoo eine Naturseife aus Palmöl und Kräuterasche, beides direkt aus Afrika importiert. Da fällt mir eine nette Anekdote ein: Bei einem meiner (seltenen) Besuche eines Kosmetikstudios stellte die Dame erschrocken fest, ich hätte eine starke Raucherhaut. Ich rauchte aber gar nicht - und zwar zu diesem Zeitpunkt bereits seit über 10 Jahren nicht mehr! Wir kamen dann darauf, dass es wohl der Qualm aus dem Tanzlokal sein musste, in dem ich dreimal in der Woche tanzen war. Seitdem verwende ich konsequent eine Reinigungsmilch - statt wie bislang Wasser und Seife! Ich staunte damals nicht schlecht, wie viel Dreck da von der Haut kam! :-)

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Gesunde (Bio-)Ernährung mit wenig Weizenprodukten und Zucker. Mit Ende 20 habe ich mich makrobiotisch ernährt (was ich heute leider nicht mehr konsequent durchhalte) und es war ein unbeschreibliches, ein wirklich außergewöhnliches Körpergefühl! Außerdem: ein zufriedenes Leben, Sorgen vermeiden, positiv denken und das Glück suchen, Dankbarkeit, Natur. Ganz wichtig: Sport! Als (noch pummeliges) Kind habe ich Ballett gemacht, dann Handball, Schwimmen, bis vor kurzem Tanzen und jetzt eben Fitness.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet??

Ja, das gibt es.

Während eines sommerlichen Spaziergangs mit meinem Hund Teddy im Wald kam ich zu einem Lichtkegel, den die Sonne durch die dichten Bäume gebahnt hatte. Ich stellte mich hinein und sah wie nah Schatten und Kälte von Sonne und Wärme entfernt waren: nämlich nur einen einzigen Schritt!

Da wurde mir eines klar:

Ob du im Schatten oder in der Sonne des Lebens stehst - es ist einzig deine Entscheidung und manchmal liegt dazwischen nur einziger Schritt.

Danke, Snez, für deine offenen und spannenden Antworten!

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Susanne Ackstaller, Montag, 08. Oktober 2012, 10:06 Uhr
Kommentare: 8 | Aufrufe: 5643 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: szenana lintenstilschönheitmodefrauen ab 40
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Kommentare

  • Wow! Danke für den Vergleich! :-) Das war in der makrobiotischen Phase. Da haben die Augen wirklich außergewöhnlich stark geleuchtet.

    Snezana
    am Donnerstag, 11. Oktober 2012 um 23:12 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Tolles Interview, hinreißende Fotos und so viel Weisheit zum Schluss - super!

    Petra
    am Montag, 08. Oktober 2012 um 22:54 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wie vielfältig! Und wie hübsch! Die Geschichte mit der Sonne kann man sich gar nicht groß genug an die Wand hängen.

    Was für eine schöne Serie, Susi! Jetzt freue ich mich schon immer drauf.

    Britta
    am Montag, 08. Oktober 2012 um 14:51 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ich mag, nicht „nicht mag” ;)) Sorry!

    antje
    am Montag, 08. Oktober 2012 um 14:28 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Boah, was für ein tolles Interview - und was für ein schönes Motto, danke, Snez! Auch den Tipp mit der Farbberatung finde ich interessant, vielleicht sollte ich das doch irgendwann noch mal ausprobieren, weniger, weil ich nicht weiß, welche Farben nicht mag, als vielmehr, um mehr über ihre Wirkung herauszufinden. Tolle Fotos!! <3

    antje
    am Montag, 08. Oktober 2012 um 14:27 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ja, ne??? Mich erinnert das wirklich an Ava Gardner!

    Susi
    am Montag, 08. Oktober 2012 um 14:24 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ich liebe das Bild mit dem braunen Kostüm! So schöne leuchtende Augen :-)

    text-burger
    am Montag, 08. Oktober 2012 um 14:24 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wow! Wieder ein tolles Interview. Danke dafür!

    Daniela D.
    am Montag, 08. Oktober 2012 um 10:31 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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