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Wer im Homeoffice arbeitet, kennt das Verlotterungssyndrom vermutlich aus eigener Erfahrung: mit Out-of-bed-Haaren bis elf Uhr vormittags oder länger. Ungeduscht bis der Postbote klingelt oder die Kinder aus der Schule kommen. Im angefleckten T-Shirt und in der ausgeleierter Jogging-Hose am Schreibtisch. Weil es ja egal ist. Sieht ja eh keiner.

Keiner?

Stimmt nicht. Du siehst es.

Und außerdem will mir keiner erzählen, dass man sich im Schlafanzug als Dauerzustand so richtig gut und sexy fühlt.

Irgendwann ist mir das klar geworden: dass der Lotter-Look zwar bequem und deshalb verführerisch ist, aber dass ich mich selbst im kuscheligsten Pyjama am Schreibtisch nicht wirklich wohl fühle. Sondern eigentlich nur undiszipliniert, unattraktiv und ungepflegt. Und ja, auch ein wenig unprofessionell, wenn ich beim Telefonieren im Monitor meine wirren, ungekämmten Haare sah. Irgendwo las ich mal, dass mit der Kleidung auch die Arbeitsmoral kommt (oder geht) - und nach zwölf Jahren Freelancing im Homeoffice kann ich sagen: Ja, stimmt!

Es hat zugegebenermaßen eine Weile gedauert, bis ich mir eingestanden habe, dass ich die vermeintlichen Laissez-faire-Vorzüge der Heimarbeit eigentlich gar nicht wirklich genieße. Und noch eine Weile mehr bis ich anfing, etwas zu ändern. Und immer noch gibt es genug Tage, da treffen mich Zeugen Jehovas und Kurierfahrer im Bademantel an - wenn eine Deadline drängt zum Beispiel, ich vom Frühstückstisch zum Schreibtisch eile und dort dann die Zeit vergesse ...

Hier also meine Sechs-Punkte-Strategie:

* Das probateste Mittel: Gleich in der Früh einen Geschäftstermin haben. Dann hat man keine Wahl. Man muss den Schlamper-Look ablegen und sich irgendwie in ein gepflegtes Etwas verwandeln (Trotzdem hasse ich Termine um 9 Uhr morgens ...)

* Das attraktive Ich visualisieren: Wenn ich morgens so gar nicht in die Puschen, sprich aus dem Bademantel komme, stelle ich mir mein angehübschtes, wimperngetuschtes, ge-lipglosstes Alter Ego in den wunderschönsten Farben vor - meistens kann ich mein zerknautschtes Ich danach so wenig leiden, dass ich den Zustand schnell ändern will.

* Der besondere Kick: Extravagantere Beauty-Produkte locken mich zugegebenermaßen mehr als schnödes duschdas und Schauma Shampoo. Eine Zeitlang waren zum Beispiel Produkte von Lush bei mir sehr angesagt. Ich habe auch schon mal mit Koffein geduscht oder mich mit den witzigen Produkten von Anatomicals angehübscht, die mir eine Freundin zum Geburtstag schenkte.

* Die leichteste Übung: hübsche und bequeme Klamotten kaufen. Es muss ja nicht die weiße Bluse sein, mit der man alleine im Homeoffice sitzt - Sweatshirts, Hoodies und Jeans können auch toll aussehen (wenn man sie nicht gleichzeitig noch zur Gartenarbeit oder zum Bad putzen trägt). Superdry mag ich besonders, weil die Sachen so schön kuschelig sind. (Ich geb’s zu, dass ich mir diese Marke von meinen Teenie-Kindern abgeguckt habe ... ;-)))

* Schreibtisch aufräumen: Nein, hier bin ich kein Vorbild. Ich bin eine verdammt schlechte Schreibtischaufräumerin. Ich hasse aufräumen. Aber wenn es dann doch mal geschafft ist, stelle ich fest, wie gut mir diese Ordnung tut - und dass auch ich selbst dann mit meinem Vorbild-Schreibtisch gleichziehen (und nicht wie beim Hempels unterm Sofa aussehen) will.

* Die Regelmäßigkeit macht’s: Nach 21 Tagen hat man eine neue Gewohnheit übernommen. 3 Wochen lang also lecker duschen und sich hübsch machen - da gibt es doch wirklich schlimmeres. :-)

Klingt doch eigentlich alles ganz machtbar, oder?

Hast du noch andere Tipps? Dann schreib sie mir ins Kommentarfeld!

 

 
Susanne Ackstaller, Freitag, 29. März 2013, 00:30 Uhr
Kommentare: 10 | Aufrufe: 7322 | Kategorie: Mode, Kleidung, Kleider & Röcke, | Tags: verlotterunghomeofficefreelancerdresscode
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Kommentare

  • Wundervolle Denkanstöße - denn ja, das Verlotterungs-Thema kenne auch ich… Sehr prima, Deine/Eure Punkte!

    Mir hilft immerhin, daß mein Büro zwar im selben Haus ist, aber einen separaten Außeneingang hat, ich kann also nicht im Schluffizeug bleiben. Aber „aufbrezeln” kommt nur an Tagen mit Kundenkontakt in Frage.

    Uschi Ronnenberg
    am Donnerstag, 04. April 2013 um 08:55 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Die Idee mit den High Heels finde ich großartig! Denn ich liebe High Heels - solange ich sie nicht beim Gehen an den Füßen habe - deshalb stehen sie bei mir Jahr und Tag im Schrank. Nun habe ich endlich Verwendung dafür. Danke!

    Eva
    am Montag, 01. April 2013 um 16:09 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ich habe diesbezüglich echt eine Meise. Ich trau mich nicht mal, unfrisiert und ungewaschen wo anzurufen. Da fühle ich mich unprofessionell und hab Angst, es merkt einer.

    So wirklich in Schale bin ich daheim nicht, aber so, dass ich mich nicht schämen muss, wenn es klingelt.

    Edith Nebel
    am Sonntag, 31. März 2013 um 19:42 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Yeah! Den Satz zu den High Heels habe ich mir angestrichen: „Sie werden gegen jede Virulenz der Verlotterung für Haltung und Würde und produktiven Stilbruch eintreten wie heilige Reliquien, und sofort wird die charakteristische High-Heel-Macht sich auch in den Texten niederschlagen: Die Sätze werden leichtfertiger und zugleich intelligenter, sexier, torgefährlicher.” Großartig! :-)

    Katharina
    am Sonntag, 31. März 2013 um 09:50 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wunderbar und inspirierend, ich bin sofort zum bekennenden Fan des „Dresscodes im Homeoffice“ geworden! Und ein eventueller Strategie-Punkt-Sieben: High Heels. Schließlich gibt es diese Blaulicht-Tage, an denen Deadlines unbarmherzig jagen, so dass einfach keine Zeit für Haarwäsche & Heißwickler bleibt und die Mähnen wildern müssen. Oder jene anders gearteten Notfälle, in denen Texte plötzlich zu Ungeheuern entarten und einen Hochleistungssport an Denk-, Schreib-, und Strukturierarbeit einfordern, bei der der frisch gestärkte Kragen der neuen weißen Bluse nur nervös machen würde und allein das alte verwaschene Sweatshirt Rettung und Ausweg verschaffen kann. In beiden Fällen aber werden sich die pinkfarbenen Lackpumps von Christian Louboutin und die schwarzen Lackpumps von Agent Provocateur bewähren: Sie werden gegen jede Virulenz der Verlotterung für Haltung und Würde und produktiven Stilbruch eintreten wie heilige Reliquien, und sofort wird die charakteristische High-Heel-Macht sich auch in den Texten niederschlagen: Die Sätze werden leichtfertiger und zugleich intelligenter, sexier, torgefährlicher. Und…davon abgesehen… wenn wir ganz ehrlich sind, so viele Gelegenheiten gibt es doch nicht — denn wie oft werden wir wirklich zu rauschenden Festen und opulenten Bällen und schillernden Premieren eingeladen?, wann hat Rockefellers Urenkel uns das letzte Mal zum roh marinierten Bluefin-Tuna mit Limette und Eisenkraut ins “Hungry Cat” entführt? — , an denen wir unsere Pythonslingpumps mit Goldriemen von Prada auch wirklich ausführen könnten… es sei denn: am Schreibtisch.

    Annette Bitsch
    am Sonntag, 31. März 2013 um 01:08 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Good point! Wenn ich viel zu tun habe, neige ich auch dazu, direkt aus dem Bett an den Rechner zu schlurfen. Aber grundsätzlich ist meine Arbeitsmoral und meine Effizienz auch sehr viel höher, wenn ich mich businessmäßig fühle. Dann kann ich mich selbst ernster nehmen und traue mir auch mehr zu. In diesem Fall gilt für mich „Kleider machen Geschäfte”. Vielleicht ist es Augenwischerei, aber mir hilft es sehr.

    Katharina
    am Samstag, 30. März 2013 um 22:32 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ich fand es lange Zeit cool, direkt aus dem Bett an den Computer und zurück - ich fühlte mich als Nerd (Sandra Bullock in DAS NETZ war mein Vorbild) und selbstbestimmt (haha). Doch das fühlte sich vor allem solange gut an, als ich noch überwiegend außer Haus gearbeitet habe und nur ein Teil der Woche selbstbestimmt und in einer ruhigen Wohnung statt in der Unruhe eines Gemeinschaftsbüros arbeiten durfte. Nun, wo ich die Freiheit täglich habe, stelle ich auch fest, dass, wenn ich die Arbeit und den Computer/Internet so mein Leben bestimmen lasse, mit der Zeit in depressive Stimmungen verfalle, denn irgendwie verschwinde ich hinter der Arbeit - und das Verlottern war ein Zeichen dafür, dass ich mich verschwinden ließ. Solche Phasen möchte ich eigentlich nur noch in Ausnahmezuständen - Endphase eines Buches o. ä. - zulassen, weil es mir sonst damit einfach nicht gut geht. Natürlich ziehe ich mich immer noch bequem an, wenn ich zuhause arbeite, aber ich achte inzwischen mehr darauf, dass ich mich auch im Homeoffice ansehnlich fühle. Oh, aber jetzt (Samstag Vormittag) sitze ich gerade noch im (hübschen neuen) Schlafanzug am Computer. Zeit mich aufzubrezeln, denn heute muss/darf ich raus ;-)

    Eva
    am Samstag, 30. März 2013 um 10:32 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Obwohl wir Klamotten lieben und auch das Gefühl gepflegt und schön zu sein, verfallen wir immer wieder in diesen Trott. Ich glaub, ich gehe nächste Woche lecker Duschgel, ein noch cooleres Shampoo, Frühlingsschminke und legere Klamotten shoppen, weil: Ich hab ja so gaaar nicht im Kleiderschrank und im Badezimmerschrank auch nicht ;)

    Derya
    am Samstag, 30. März 2013 um 10:15 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ich mache es bei reinen Bürotagen auch so wie Claudia. An Tagen mit Außenterminen werfe ich mich selbstverständlich ins Kompetenzoutfit. Ich genieße beides.
    Allerdings vermeide ich langes morgendliches Herumtrödeln in Schlafklamotten. Am einfachsten geht das, indem ich zwischen 6:30 und 8:00 schon mal eine Runde draußen laufe. Dann MUSS ich anschließend duschen und was ordentliches frühstücken und kann ab 9:00 konzentriert arbeiten.
    Ansonsten lege ich mir meine ersten Termine gerne zwischen 8 und 9. Ich brauche da ein bisschen Druck, sonst komme ich morgens nicht aus den Puschen.

    Grüße! N.

    PS: Der Postbote ist mir übrigens schnuppe, der kennt mich auch ungekämmt. Aber die Nachbarn haben mich noch nie verschlumpert gesehen.

    Nelja
    am Freitag, 29. März 2013 um 23:46 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Voll dagegen! Wozu bin ich denn im Homebüro? Damit ich die Vorteile dann NICHT genieße?

    Natürlich mache ich mich morgens frisch und tausche die Tag- gegen die Nachtklamotten. Auch mal kurz durchkämmen gehört dazu. :-)  Aber dann sitz ich in Leggins und bequemem Shirt den Rest des Tages vor dem Monitor und fühle mich ausgesprochen wohl so! Kunden kontakten mich per Mail, Freunde und Bekannte empfange ich zum spontanen Kaffee exakt so, wie ich grade bin.

    Ich sehe nicht den geringsten Grund, mich in irgend eine Schale zu werfen - fürs Einkaufen streife ich kurz Jeans, Schuhe und Mantel über und danach bin ich froh, dies alles wieder los zu werden… :-)?

    ClaudiaBerlin
    am Freitag, 29. März 2013 um 22:36 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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